Joint Ventures: Wettbewerbsvorteile durch komplementäre Fähigkeiten von Unternehmen

Unternehmen, die in eine andere Branche oder ein anderes Land expandieren wollen, bedienen sich im Rahmen einer Partnerschaft häufig Kompetenzen und Ressourcen anderer Unternehmen, um die Effektivität eines Einstiegs zu erhöhen. Bei einer Expansion ins Ausland ist es sogar teilweise rechtlich vorgeschrieben mit einem dort ansässigen Unternehmen zusammenzuarbeiten. In solchen Fällen können Unternehmen Partnerschaften in Form von Joint Ventures eingehen.
Bedeutung von Joint Ventures
Unter einem Joint Venture versteht man zu deutsch ein Gemeinschaftsunternehmen von mindestens zwei wirtschaftlich unabhängigen Unternehmen. Hierbei sollen sich komplementäre Ressourcen und Fähigkeiten ergänzen und so zu Wettbewerbsvorteilen führen. Bei dieser Form der Kooperation ist ein gemeinsames Interesse, sowie eine gemeinsame Kontrolle des Gewinns essenziell. Von großer Bedeutung bei der Gründung eines Joint Ventures von Unternehmen verschiedener Staaten, ist die Berücksichtigung der länderspezifischen Voraussetzungen, der rechtlichen Grundlagen und vor allem der kulturellen Differenzen.
Ein Joint Venture setzt sich aus Beteiligungen zweier oder mehrerer Unternehmen zusammen. Streng gesehen muss es sich dabei um gleichwertige Beteiligungen handeln, was bei nur zwei Unternehmen zu einem 50/50 Joint Venture, und bei beispielsweise vier beteiligten Unternehmen zu Anteilen von 25%, führen würde. Dies soll sicherstellen, dass die Entscheidungsbefugnis gleichermaßen bei allen Unternehmen liegt. Allerdings existiert auch die Form des Mehrheits-Joint Ventures, bei dem ein meist stärkeres Unternehmen größere Anteile besitzt und sich somit die Kontrollrechte im Joint Venture vorbehält.
Neben der Beteiligungsform kann ein Joint Venture auch anhand der verschiedenen Produktionsstufen, in denen die Unternehmen tätig sind, definiert werden. Hier werden horizontale und vertikale Joint Ventures unterschieden. Bei horizontalen Joint Ventures handelt es sich um Unternehmen, die in der selben Produktionsstufe tätig sind, wie beispielsweise in der Forschung und Entwicklung, während es sich bei vertikalen Joint Ventures um Unternehmen handelt, die in verschiedenen Wertschöpfungsstufen agieren.
Vorteile von Joint Ventures
Joint Ventures werden häufig gegründet, wenn Unternehmen komplementäre Fähigkeiten zusammenführen möchten, um daraus Kostenvorteile zu schaffen. So kann es beispielsweise sein, dass sich ein technisches Unternehmen mit einem Unternehmen zusammenschließt, das das nötige unternehmerische Wissen für ein neues Vorhaben mitbringt. Durch die höhere Diversifikation können auf dem Markt Wettbewerbsvorteile gewonnen werden. Außerdem kann die gute Reputation oder ein fester Kundenstamm eines Unternehmens genutzt werden, sodass nicht erst neue Kunden gewonnen werden müssen und sich das Joint Venture so im Vergleich zur Konkurrenz schneller durchzusetzen vermag. Allgemein gilt, dass durch Joint Ventures das unternehmerische Risiko geteilt wird, was bei hohen, risikobehafteten Investitionen oftmals nötig ist.
Meistens werden Joint Ventures nicht im Inland, sondern mit einem ausländischen Unternehmen gegründet. Beispielsweise können lokale Einschränkungen oder eine Marktsättigung im Heimatland Antrieb für eine Expansion ins Ausland sein. Grund für internationale Joint Ventures können auch rechtliche Beschränkungen sein, die es ausländischen Unternehmen nur durch eine Kooperation mit einem inländischen Unternehmen ermöglichen ansässig zu werden, wie beispielsweise in China.
Oftmals werden Unternehmen aber auch durch lokale Vorteile, wie eine günstigere Produktion oder niedrigere Transportkosten, ins Ausland gezogen. Auch die Kundennähe ist ein wichtiger Faktor bei der Expansion in ein anderes Land, da Transportwege kürzer werden und Leistungen an die länderspezifischen Bedürfnisse angepasst werden können. Durch das ausländische Partnerunternehmen werden zudem Risiken erheblich gesenkt, da die Kenntnis des dortigen Marktes bereits vorhanden ist. Dieses Wissen führt neben einer Verminderung des Risikos auch zu Kostenersparnissen, da beispielsweise keine intensiven Marktanalysen mehr vorgenommen werden müssen und auf Empfehlungen des lokalen Unternehmens eingegangen werden kann.
Risiken eines Joint Ventures
Die Zusammenarbeit zweier unterschiedlicher Unternehmen kann allerdings auch zu einem hohen Koordinationsaufwand und damit verbundenen Kosten führen, da alles mehrfach abgestimmt werden muss. Zudem können durch verschiedene Schwerpunkte in den Unternehmen Interessenkonflikte entstehen, die zu Instabilität im gemeinsamen Joint Venture führen. Besonders bei Joint Ventures, die im Ausland gegründet werden, besteht das Risiko, dass staatliche Eingriffe zu Einschränkungen führen. Hierbei kann es sich beispielsweise um ein Gewinnausschüttungsverbot ins Ausland handeln.
Allgemein zählen Joint Ventures zu den risikoreicheren Kooperationsformen. Andere Kooperationsformen wie Lizenzvergaben oder Franchising stellen ein deutlich niedrigeres Risiko dar, weil in diesem Fall kein Kapital eingesetzt wird und die Leitung nicht unter zwei Unternehmen aufgeteilt wird.
BASF-YPC als Beispiel eines erfolgreichen Joint Ventures
Die BASF-YPC Company Limited ist ein Musterbeispiel für ein erfolgreiches internationales Joint Venture. Es handelt sich hierbei um ein 50/50 Joint Venture in Nanjing in China, das hauptsächlich in der Hygieneindustrie, aber auch in der Textilbranche agiert. Es wurde im Juni 2010 von dem deutschen Unternehmen BASF und dem chinesischen Unternehmen Sinopec, eines der größten Chemieunternehmen in China, gegründet. Gerade in Ländern mit großen kulturellen Unterschieden wäre ein Einstieg ohne das Wissen eines dort ansässigen Unternehmens mit hohen Kosten verbunden. Sinopec liefert neben dem Zugang zu lokalen Ressourcen auch ein umfangreiches Wissen über den lokalen Markt. Im Gegenzug stellt BASF seine neusten Technologien zur Verfügung, sodass die Kompetenzen beider Unternehmen wirkungsvoll vereint werden um Wettbewerbsvorteile zu schaffen.
Ziel dieses Joint Ventures ist es 75% aller Produkte der BASF für Abnehmer in China vor Ort herzustellen, um so eine schnellere, zuverlässigere und vor allem energieeffizientere Produktion und Lieferung zu ermöglichen. Die Kombination von Ressourcen, Technologien, Fähigkeiten und der Marktkenntnis beider Unternehmen macht das Unternehmen sehr wettbewerbsfähig und bis heute erfolgreich. So wurde 2014 nochmals in einen Ausbau der Anlagen in Nanjing investiert.
Entscheidend für den Erfolg eines Joint Ventures ist die Auswahl eines Partners, der Kompetenzen oder Ressourcen besitzt, die selbst im Unternehmen nicht vorhanden sind. So kann Zeit und Geld gespart und der Fokus auf die eigenen Kernkompetenzen gelegt werden. Natürlich muss auch immer individuell abgewogen werden, ob ein Joint Venture für das Unternehmen geeignet ist oder ob der Koordinationsaufwand anschließend höher ist, als die zusätzlichen Gewinne. In diesem Fall sollte über eine andere Koordinationform, wie Lizenzen oder Franchising, nachgedacht werden.